Samstag, 11. Juli 2009

Dessauer Bauhaus

Da Eddie am Wochenende immer den Weekend Australian kauft, bin ich doch heute zufälliger weise im Reiseteil über einen interessanten Beitrag gestolpert: das Dessauer Bauhaus - Heimat!

Beim lesen des Artikels bemerkt man erstmal einen vollkommen anderen Gesichtspunkt der Stadt. Man könnte doch glatt die hohe Abwanderungsquote vergessen, die hohe Arbeitslosigkeit, die Misswirtschaft und wie doch die verbleibenden Menschen versuchen, dass beste aus der Stadt zu machen.

Gerade dann sollte man sich doch wieder fragen, warum Journalisten sich die Mühe machen nicht z.B. nach München zu fliegen, sondern mit der Bimmelbahn nach Dessau kutschen um ein international bekanntes Bauwerk zu sehen. Dessau und Umgebung ist voll mit solchen Bauten. Sollte einem das nicht einmal zu denken geben, wenn man wieder von neuem versucht bei einer Arbeitslosenzahl von fast 16% (ist eh geschönt) einen neuen Konsumtempel einzuweihen?

Mittwoch, 17. Juni 2009

Kulturelle Verschiedenheiten

Das Interessante am Reisen ist ja, Menschen verschiedener Art und Kultur kennenzulernen. Nun sind Verschiedenheiten unter Kulturen nicht auf dem ersten Blick auszumachen. Sicherlich gibt es immer Ausnahmen und sicher gibt es auch Dinge die den Westeuropäer vom Asiaten unterscheiden.

Jedoch möchte ich kurz über etwas schreiben, was nicht man nicht auf den ersten Blick sehen kann. Es gibt ja das Klischee des tugendhaften Deutschen (immer pünktlich und genau), wie auch des Australiers, der es vorzieht Mittags surfen zu gehen, anstatt zu arbeiten. Ich kann auch schlecht von einzelnen Begebenheiten auf die Allgemeinheit schließen, sondern nur von meinen Beobachtungen berichten.

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Was ich jedoch in den letzten Monaten mitbekommen habe ist die Konfliktbewältigung der Australier. Das sieht etwas anders aus als in Deutschland. Ich denke, dass viele Deutsche sehr direkt das Problem auf den Punkt bringen würden, anstatt groß rumzufaseln. Zum Beispiel würden Deutsche einen sicher sehr direkt auf das falsche Schuhwerk im Büro hinweisen, oder das man bestimmte Benimmweisen abstellen sollte um nicht den Job zu verlieren.

Hier ist das aber etwas anders. Ich habe bis jetzt noch keinen Australier erlebt, der direkt war. Eher wird um die Sache drumherum lammentiert und sich seinen Teil gedacht. Man könnte in Clowns-Schuhen in die Firma kommen und keiner würde was sagen. Jedoch denkt sich jeder seinen Teil, wie dämlich man wohl aussieht.

Wenn die Luft wirklich explosiv ist, dann wird miteinander diskutiert. Es kann sogar passieren dass danach zusammen ein Bier getrunken wird. Bestes Beispiel ist Eddie - mein Arbeitskollege. Er war kurz davor zu kündigen, weil der Chef die falschen (oder gar keine) Entscheidungen gemacht hat. Ansich sah die ganze Sache sehr tragisch aus. Ich sah die Fetzen fliegen. Was passierte: es wurde ausdiskutiert und beide - Chef und Eddie - kamen aus dem Streitgespräch wohlgelaunt heraus. Das Problem wurde mit Zugeständissen gelöst. Beide sind zufrieden, jedoch bestehen bestimmte Ressentiments weiterhin. Darüber kann man sich dann wieder in einem Monat bei nem Streitgespräch treffen.

Verkehr

Schon lange kein Eintrag mehr im Blog verfasst, obwohl ich doch so viele Themen habe worüber ich schreiben könnte. Deshalb ein paar Infos zu den vielen PKWs die hier die Straßen unsicher (für die Fussgänger) machen.

Fangen wir beim Führerschein an. Den gibt's nämlich nicht wie in Deutschland ein Leben lang, sondern der hat hier ein Verfallsdatum. Die Laufzeit wiederum hängt von der Dicke des Portemonnaie des Fahrers ab: A$ 92 für 5 Jahre, etwas weniger für 2 Jahre. Danach darf man wieder verlängern und bezahlen. Wer jetzt gleich an den TŰV als äquivalente Abzocke in Deutschland denkt liegt richtig. Viele finden es auch hier eine Abzocke, obwohl beide Methoden (TŰV und Verfallsdatum des Führerscheins) sicher eine gute Idee verfolgen. Wer in Deutschland den Führerschein macht und 5 Jahre nicht fährt wird nicht gerade zu den erfahrensten Fahrer gehören obwohl er laut Gesetz fahren dürfte.

... on the road again

Weil ich gerade von TŰV geschrieben habe: die Kontrolle des Autos übernimmt hier die Polizei. Die prüfen natürlich nicht wie ein Mechaniker das komplette Auto durch, aber wer z.B. mit abgefahrenen Reifen erwischt wird darf genauso Strafe bezahlen.

Und weil ich gerade mal bei der Polizei bin, noch einen interessanten Punkt: Blitzer. Die gibt's natürlich hier auch, sowie Laserpistolen zur Geschwindigkeitsmessung. Letztere benutzt die Polizei besonders morgens in Bezirken wo langsam durch Schulen und Kinder gefahren werden muss. Das Neue ist jedoch, dass es auch Privatpersonen gibt die blitzen dürfen. Diese müssen einen Antrag stellen und bekommen dann die Ausrüstung gestellt. Natürlich wird nicht dort geblitzt wo es die meisten Unfälle gibt, sondern wo die meisten Fotos abgefasst werden, denn dafür gibt's ja Geld.

Interessant sind Fahrten in der Nacht. Man unterschätzt als Europäer wie anstrengend es sein kann, wo man doch in Europa immer viel Umgebungslicht durch die starke Besiedlungsdichte hat. Wenn man hier 200km abreißen muss, dann ist es ungemein anstrengend da stocken duster. Man ist auf sich selber angewiesen, da es außer der Wildnis nichts weiter gibt. Mobiltelefon im Fall kann man abschreiben, da es keine Netzabdeckung gibt. Wer sich jetzt fragt, wie man einen Notruf absetzen soll, sollte sich über Leuchtkörper oder andere Dinge Gedanken machen. Vielleicht helfen Rauchzeichen oder man hat Glück und ein Auto kommt vorbei.

Dienstag, 19. Mai 2009

Kälteunterschiede

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Da es hier langsam aber sicher auf den Winter zugeht, mal ein paar Temperaturspielchen. Das Thermometer fällt im Winter in Hobart nicht unter 0°C, aber dennoch friert jeder wie ein Schlosshund. Zum Vergleich: wir hatten im letzten Winter zeitweilig -20°C.

Die meisten Häuser sind aus Holz gebaut und haben wenig Isolation. Ich könnte wetten, das die meisten Häuser "glühen" wie heißer Stahl, würde man mit einer Infrarotkamera den Wärmeverlust messen. Zusätzlich kommt die Bebauungsdichte hinzu. Hier haben die meisten ein Eigenheim, wogegen in Deutschland die meisten von der Heizung des anderen profitieren. Hier ist Fernwärme und eingebaute Heizkörper eine Seltenheit. Wer heizen will, kauft sich im Baumarkt einen elektronischen Heizkörper. Das muss für den Winter ausreichen.

Auch wenn Hobart die derzeit trockenste Landeshauptstadt in Australien ist, kommt es doch öfter zum typischen Nieselregen. In höheren Lagen fällt dann Schnee und gibt dem Mt. Wellington seine weisse Kuppe. Gerade dann ist es unangenehm frostig. Da können aus 5°C gefühlt gleich mal 0 werden und man rennt mit mehreren Schichten Kleidung rum. Ja - auch in den meisten Büros gibt's nur eine Klimaanlage die dann alles beheizen muss - ein kleiner, kalter Unterschied.

Samstag, 16. Mai 2009

Zu faul zum laufen?

Erst kürzlich veröffentlichte Spiegel Online eine internationale Umwelstudie. Ein Punkt der Studie ist, dass Deutsche im Vergleich zu den Australiern um einiges mehr zu Fuss laufen und Rad fahren. Faule Schweine die Aussies?

Das Auto ist auf dem dünn besiedelten Kontinent das Fortbewegungsmittel schlechthin. Da es kaum oder nur schlechten öffentlichen Verkehr gibt, ist es kaum möglich um ein Auto herum zu kommen. In Hobart bspw. gibt es nur Busse, Melbourne ist die einzige Stadt die ein (veraltetes) Strassenbahnnetz hat. U-Bahn gibt es nicht, Züge sind entweder nur für den Güterverkehr (Hobart/Tasmanien) vorgesehen oder vollkommen unterfinanziert (Melbourne) und haben hohe Ausfallraten insbesondere in den Sommermonaten.
One day in Sandy Bay

Als Fussgänger muss man ungemein aufpassen, dass man nicht von einem abbiegenden Autofahrer überfahren wird. Zur Arbeit gehen mit Kopfhöhrer in den Ohren finde ich persönlich zu gefährlich, auch wenn viele anderer Meinung sind. Ich hab es schon öfter erlebt, dass Autofahrer einfach mit Schmackes in die nächste Straße einbiegen ohne zu schauen ob sich ein Fussgänger auf der "Vorfahrtsstraße" befindet.

Täglich kommen Radfahrer und Fussgänger im Verkehr ums Leben. Auch fahren sich häufig Autofahrer tot, meist durch schlechte und unangepasste Fahrweise. Davon liest man nichts in deutsche Nachrichten, aber wenn einem Marinetaucher die Hand von nem Hai abgefressen wird.

Meines Erachtens ist das wenige Bewegen der Australier Infrastruktur und der Größe des Kontinents geschuldet. Als Vergleich: Deutschland hat rund 80 Mio. Einwohner und Australien 20 Mio. Die Insel Tasmanien allein hat nur knappe 500.000 Einwohner, da hat Leipzig noch mehr.

Faule Menschen gibt's natürlich immer, jedoch bietet ein öffentlicher Nahverkehr gute Unterstützung das Auto stehen zu lassen.

Sonntag, 19. April 2009

Fräulein Palmers & Ihre fünf Töchter

Heute war ich wieder mit Eddie und seinem Schwiegersohn surfen. Schließlich musste das neu erstandene Surfbret von gestern ausgetestet werden. Habe mir dazu gleich noch eine Tasche gekauft in der ich nun alles transportieren kann.

Ansich haben wir immer den gleichen Tagesablauf: früh aufstehen, da meistens der Wind am frühen morgen ablandig ist, sprich gegen die Wellen drückt und sie somit länger stabil hält. Wir klappern dann mehrere Surfgegenden ab, aber landen meistens am unteren Ende von South Arm. Den besten Fleck gibt's meistens am rechten o. linken Ende des Strandes.

Surfing at cloudy bay
Nach nen ca. 5 Minuten Spaziergang am Strand entlang, wird sich umgezogen. Am besten bekommt man den Nassanzug über die Beine, wenn man Baumwollsocken trägt. Gut macht sich auch ein Wetshirt (T-Shirt aus Polyester). Das fügt nicht nur eine Schicht zur Wärmeisolation hinzu, es macht sich auch einfacher den Nassanzug an- und auszuziehen.

Hat man erstmal den Nassanzug an, muss noch eine Befestigungsleine am Board (die kommt beim Bodyboard um den Arm) und Befestigungsleinen an den kurzen Flossen befestigt werden. Dann werden die Socken angezogen (spezielle aus Neopren – halten die Füsse warm und schützen vor scheuernden Flossen). Flossen an und und los geht's.

Ich habe gemerkt, dass es als Anfänger viel mehr Spass macht sich in die gebrochenen Wellen zu stürzen und erstmal lenken zu üben. Nicht nur, dass die kleinen Wellen schon einen anständigen Schub haben mit dem man an den Strand gespühlt wird. Man landet nicht in der Welle, die einem durch die Strömungen wie eine Waschmaschine umherschleudert. Man kann besser lenken lernen in dem man das Körpergewicht nach rechts und links verlagert.

Die Strömungen schon von 1m (3-4ft) hohen Wellen sind nicht zu unterschätzen. Vor allem das man schwimmen und unter die hereinkommenden Wellen durchtauchen muss, vergessen viele. Ich hatte schon einmal meine Not aus dem Wasser zu kommen und möchte mich nicht als schlechten Schwimmer bezeichnen. Also Vorsicht mit zuviel Übermut.

Achso und wer nicht weiss, was der Titel mit dem Blogbeitrag zu tun hat, dem gebe ich hier zwei Hinweise:
  1. als männlicher Leser hebe man die rechte Hand und schaue sich diese genau an,
  2. gibt es verschiedene Surfwachse von Palmers.
Mann kombiniere jetzt die Bilder auf der Webseite mit Punkt 1. Wer auf den Witz kommt, darf sich 100 Gummipunkte sein eigen nennen, alle anderen müssen härter grübeln ;)

Dienstag, 14. April 2009

Holzfäller im Schafspelz... oder so

Wenn ich Australien mit Europa auf der touristischen Ebene vergleiche, dann hat wohl Europa wundervoll alte Bauten und Australien wundervoll alte Wälder. Da der Kontinent einst Teil des Superkontinents Gondwana war, findet man einzigartige Regenwälder die in Europa nur noch an einzelnen Stellen nicht dem Raubbau zum Opfer gefallen sind.

Bei soviel Wäldern – vor allem hier in Tasmanien – blüht natürlich der Holzhandel und damit aber die Zerstörung der Regenwälder. Partiell wird wiederaufgeforstet, partiell gibt es Monokulturen die "geerntet werden", partiell wird aber auch "alter" Regenwald abgeholzt. Schirmherr und Geld verdient damit die Firma "Forestry Tasmania".

Was macht man nun mit dem Holz aus dem Regenwald? Es wird nach Asien verkauft (Taiwan, China) und, jetzt kommt's: für die Papierproduktion zu Sägemehl verarbeitet. Dafür ist so ein Regenwald schon mal gut. Brisant auch, dass man "Forestry Tasmania" den Schutz der Wälder zugesprochen hat. Man stelle sich vor, man gibt dem Wolf die Obhut der Schafe.

Speziell gibt es im Nordwesten von Tasmanien noch Regenwälder die zu den letzten der gemäßigten Breiten gehören. Insbesondere der Tarkine Nationalpark (Englisch). "Forestry Tasmania" hatte in früherer Zeit Interesse bekundet den Wald abzuholzen, jetzt hat man erkannt, dass man evtl. mit Tourismus mehr Geld verdienen kann. Warum nicht beides haben: Es gibt Pläne Straßen und Parkplätze in den Park zu bauen, damit die Touristen sich nicht so lange bewegen müssen. Meines Erachtens gehen die Ideen nicht weit genug. Besser wäre es, alles abzuholzen und dann einen Erlebnispark zu erichten. Da hat man dann Spiel, Spaß, Spannung in einem und muss sich nicht soviel bewegen. Und die Holzlobby bekommt ihr Sägemehl ;)