Sonntag, 20. September 2009

Kriegerisches Europa?

Die etwas andere Seite Australiens hat etwas mit der Geschichte zu tun. Man mag es kaum glauben, jedoch hat das Land immer noch ein Rassenproblem. Was Amerika mit seiner indigenen Bevölkerung hat, gibt es in Australien ebenfalls: die Unterdrückung der Ureinwohner Australiens.

Vielleicht nochmal kurz zur Historie: Bevor die Europäer den Kontinent im 17. Jahrhundert entdeckten, lebten Menschen seit ca. 60.000 Jahren auf dem Kontinent (lt. Wikipedia). Bemerkenswert dabei ist, dass die Aborigines eine scheinbar nachhaltige Lebensweise pflegten, die sicher auch durch ihre Religion bestimmt wurde.

dsc01162.jpg

Bei Ankunft der Europäer, lebten die Aborigines noch in der Steinzeit. Mit einer Assimilationspolitik der Einwanderer sollten die Aborigines in die europ. Neuzeit katapultiert werden; das ohne Rücksicht auf Verluste. Heute gehören die Überlebenden der Kolonisierung durch die Europäer zum untersten Teil der Gesellschaft:
[...] ihre Arbeitslosenrate ist mit 20 % fast dreimal so hoch wie die der Durchschnittsbevölkerung, sie haben eine geringere Bildung, ihre Lebenserwartung liegt im Durchschnitt 10 Jahre unter jener der weißen Bevölkerung, die Kindersterblichkeit ist doppelt so hoch, sie machen bei einem Anteil von weniger als 4 % der Bevölkerung 20 % aller Gefängnisinsassen aus.
-- Wikipedia
Jene Assimilationspolitik wird weiterhin betrieben, jedoch muss man diese doch kritisch hinterfragen. Unsere Lebensweise ist grundsätzlich auf Konsum und Materialismus aufgebaut und weit entfernt von einer Nachhaltigen Lebensweise. Um es mal Deutsch zu sagen: Mit unserer Lebensweise zerstören wir unseren Lebensraum. Vielleicht wäre es besser, unsere Arroganz mit Neugier zu ersetzen. Vielleicht sollten wir nicht versuchen, die Aborigines unsere Lebensweise aufzudrücken; ja vielleicht wird andersherum ein Schuh draus: lernt von denen, die zu den ältesten Kulturen der Welt gehören. Wenn wir so weitermachen, schaffen wir es nichtmal in's nächste Jahrhundert.

dsc01165.jpg

Das den Menschen der reichen Nationen zu verklickern ist wie einem abhaengigen Raucher vorzupredigen, dass er besser aufhoert mit rauchen, da es schaedlich fuer seine Gesundheit ist.

Montag, 31. August 2009

Angriff der Flötenvögel

Flötenvögel? Gemeint sind eigentlich die Vögel die in Australien den europäischen Elstern ähneln.


Diese Vögel habe ich meistens mit ihren unverkennbaren Ruf in Verbindung gebracht, seit gestern aber auch wegen ihrer Angriffslustigkeit. Wie ich herausgefunden habe, ist derzeit Brutzeit. Die Vögel fangen jetzt an ihre Nester zu bauen und sind dementsprechend angehalten diese auch zu verteidigen.

Swooping Magpie.


Solang man seinen Fokus auf den angreifenden Vögel hat, passiert nichts. Aber gerade wenn man auf den Verkehr achten muss wird das schahmlos ausgenutzt. Der Bundestaat Victoria hat eine unterhaltsahme (wenn auch in Englisch) Homepage, auf dem der Grund und das mögliche Vorgehen als Angegriffener beschrieben wird. Wichtig vor allem ist, dass man sich nicht einschüchtern lässt. Ist doch nur ein kleiner Vogel ;)

Donnerstag, 20. August 2009

Brisbane: Glitz und Gloria

Meine ersten Eindrücke von Brisbane sind durchwachsen. Einerseits Metropole und drittgrößte Stadt in Australien, multi-kulti. Das öffentliche Verkehrssystem ist excellent. Man kann zwischen Fähre, S-Bahn und Bus wechseln. Busse haben eigene Straßen. Das bewegt dann selbst jene Bürger zur Benutzung des Busses um nicht die Zeit im Stau zu vergeuden.

Das Wetter ist wunderbar mit seinen 23°C, wunderbar warm und nicht zu heiß. Es ist Winter wohlgemerkt und der Frühling wird die Temperaturen wieder in die Höhe treiben.

Die Schattenseiten jedoch haben etwas mit Großstadt zu tun. Man muss bei allen Dingen die einem angeboten werden zweimal hinschauen (z.B. $4 pro Internetstunde/60MB Download-Limit). Vor allem im Stadtzentrum wird einem das Geld an allen Ecken und Enden aus der Taschen gezogen. Das geht von Internet bis hin zum Hotel; alle Kleinigkeiten kosten Geld und schlechten Service lässt man sich gut bezahlen. Die Menschen sind zudem distanzierter als in Tasmanien. Zwar immer noch freundlich, jedoch etwas fremder.

dsc_0055.nef

Im Gegensatz zu Melbourne findet man in Brisbane mehr Glitter und Glanz (wenn man das Geld hat). Melbourne ist europäischer, verspielter; erinnert mehr an der Kulturszene von Berlin.

Ich hoffe, den letzten Satz kann ich zumindest bald revidieren.

Montag, 17. August 2009

Auf Wiedersehen Tasmanien

Nach sechs Monaten Aufenthalt in Hobart (Tasmanien) bin ich wieder zurück in Melbourne. Die Insel ist an sich für ihre Fläche unwahrscheinlich dünn besiedelt. Bei 487.000 Einwohnern (davon hat Hobart knapp die Hälfte), findet man noch zum Großteil unberührte Gegenden.

img-2

Die meisten Leute die ich kennen gelernt habe, waren sehr freundlich. Ich hab es genossen, surfen zu gehen und mir täglich bei den Tasmanian Coffee Roasters den leckeren Kaffee abzuholen. Niemand ist missgelaunt und immer offen für einen Schwatz. Das hab ich doch ab- und zu in Deutschland vermisst.

Ich bleibe nicht in Melbourne, sondern fliege am Dienstag an die Ostküste nach Brisbane. Dort hab ich wieder einen Arbeitsplatz gefunden. Dieses mal würde es meinen Wettervorstellungen dem Ideal näher kommen: mehr Sonne, wärmeres Wetter (25°C im Durchschnitt) und näher am Great Barrier Reef.


dsc_0055.nef

Jetzt geht natürlich die Wohnungssuche wieder von vorn los. Mein gespartes werde ich erstmal für ein Apartment aufwenden und nicht mit meinem ganzen Gerödel (Kamera, Laptop, Surfing-Zeug, Klamotten) in eine Jugendherberge gehen. Mal schauen ob es wieder so schwierig ist eine Bleibe zu finden, wie es in Hobart war.

Samstag, 11. Juli 2009

Dessauer Bauhaus

Da Eddie am Wochenende immer den Weekend Australian kauft, bin ich doch heute zufälliger weise im Reiseteil über einen interessanten Beitrag gestolpert: das Dessauer Bauhaus - Heimat!

Beim lesen des Artikels bemerkt man erstmal einen vollkommen anderen Gesichtspunkt der Stadt. Man könnte doch glatt die hohe Abwanderungsquote vergessen, die hohe Arbeitslosigkeit, die Misswirtschaft und wie doch die verbleibenden Menschen versuchen, dass beste aus der Stadt zu machen.

Gerade dann sollte man sich doch wieder fragen, warum Journalisten sich die Mühe machen nicht z.B. nach München zu fliegen, sondern mit der Bimmelbahn nach Dessau kutschen um ein international bekanntes Bauwerk zu sehen. Dessau und Umgebung ist voll mit solchen Bauten. Sollte einem das nicht einmal zu denken geben, wenn man wieder von neuem versucht bei einer Arbeitslosenzahl von fast 16% (ist eh geschönt) einen neuen Konsumtempel einzuweihen?

Mittwoch, 17. Juni 2009

Kulturelle Verschiedenheiten

Das Interessante am Reisen ist ja, Menschen verschiedener Art und Kultur kennenzulernen. Nun sind Verschiedenheiten unter Kulturen nicht auf dem ersten Blick auszumachen. Sicherlich gibt es immer Ausnahmen und sicher gibt es auch Dinge die den Westeuropäer vom Asiaten unterscheiden.

Jedoch möchte ich kurz über etwas schreiben, was nicht man nicht auf den ersten Blick sehen kann. Es gibt ja das Klischee des tugendhaften Deutschen (immer pünktlich und genau), wie auch des Australiers, der es vorzieht Mittags surfen zu gehen, anstatt zu arbeiten. Ich kann auch schlecht von einzelnen Begebenheiten auf die Allgemeinheit schließen, sondern nur von meinen Beobachtungen berichten.

dsc03411.jpg

Was ich jedoch in den letzten Monaten mitbekommen habe ist die Konfliktbewältigung der Australier. Das sieht etwas anders aus als in Deutschland. Ich denke, dass viele Deutsche sehr direkt das Problem auf den Punkt bringen würden, anstatt groß rumzufaseln. Zum Beispiel würden Deutsche einen sicher sehr direkt auf das falsche Schuhwerk im Büro hinweisen, oder das man bestimmte Benimmweisen abstellen sollte um nicht den Job zu verlieren.

Hier ist das aber etwas anders. Ich habe bis jetzt noch keinen Australier erlebt, der direkt war. Eher wird um die Sache drumherum lammentiert und sich seinen Teil gedacht. Man könnte in Clowns-Schuhen in die Firma kommen und keiner würde was sagen. Jedoch denkt sich jeder seinen Teil, wie dämlich man wohl aussieht.

Wenn die Luft wirklich explosiv ist, dann wird miteinander diskutiert. Es kann sogar passieren dass danach zusammen ein Bier getrunken wird. Bestes Beispiel ist Eddie - mein Arbeitskollege. Er war kurz davor zu kündigen, weil der Chef die falschen (oder gar keine) Entscheidungen gemacht hat. Ansich sah die ganze Sache sehr tragisch aus. Ich sah die Fetzen fliegen. Was passierte: es wurde ausdiskutiert und beide - Chef und Eddie - kamen aus dem Streitgespräch wohlgelaunt heraus. Das Problem wurde mit Zugeständissen gelöst. Beide sind zufrieden, jedoch bestehen bestimmte Ressentiments weiterhin. Darüber kann man sich dann wieder in einem Monat bei nem Streitgespräch treffen.

Verkehr

Schon lange kein Eintrag mehr im Blog verfasst, obwohl ich doch so viele Themen habe worüber ich schreiben könnte. Deshalb ein paar Infos zu den vielen PKWs die hier die Straßen unsicher (für die Fussgänger) machen.

Fangen wir beim Führerschein an. Den gibt's nämlich nicht wie in Deutschland ein Leben lang, sondern der hat hier ein Verfallsdatum. Die Laufzeit wiederum hängt von der Dicke des Portemonnaie des Fahrers ab: A$ 92 für 5 Jahre, etwas weniger für 2 Jahre. Danach darf man wieder verlängern und bezahlen. Wer jetzt gleich an den TŰV als äquivalente Abzocke in Deutschland denkt liegt richtig. Viele finden es auch hier eine Abzocke, obwohl beide Methoden (TŰV und Verfallsdatum des Führerscheins) sicher eine gute Idee verfolgen. Wer in Deutschland den Führerschein macht und 5 Jahre nicht fährt wird nicht gerade zu den erfahrensten Fahrer gehören obwohl er laut Gesetz fahren dürfte.

... on the road again

Weil ich gerade von TŰV geschrieben habe: die Kontrolle des Autos übernimmt hier die Polizei. Die prüfen natürlich nicht wie ein Mechaniker das komplette Auto durch, aber wer z.B. mit abgefahrenen Reifen erwischt wird darf genauso Strafe bezahlen.

Und weil ich gerade mal bei der Polizei bin, noch einen interessanten Punkt: Blitzer. Die gibt's natürlich hier auch, sowie Laserpistolen zur Geschwindigkeitsmessung. Letztere benutzt die Polizei besonders morgens in Bezirken wo langsam durch Schulen und Kinder gefahren werden muss. Das Neue ist jedoch, dass es auch Privatpersonen gibt die blitzen dürfen. Diese müssen einen Antrag stellen und bekommen dann die Ausrüstung gestellt. Natürlich wird nicht dort geblitzt wo es die meisten Unfälle gibt, sondern wo die meisten Fotos abgefasst werden, denn dafür gibt's ja Geld.

Interessant sind Fahrten in der Nacht. Man unterschätzt als Europäer wie anstrengend es sein kann, wo man doch in Europa immer viel Umgebungslicht durch die starke Besiedlungsdichte hat. Wenn man hier 200km abreißen muss, dann ist es ungemein anstrengend da stocken duster. Man ist auf sich selber angewiesen, da es außer der Wildnis nichts weiter gibt. Mobiltelefon im Fall kann man abschreiben, da es keine Netzabdeckung gibt. Wer sich jetzt fragt, wie man einen Notruf absetzen soll, sollte sich über Leuchtkörper oder andere Dinge Gedanken machen. Vielleicht helfen Rauchzeichen oder man hat Glück und ein Auto kommt vorbei.